Nachfolgend ein paar historische Geräte, deren glücklicher Besitzer ich bin.
Auch wenn ihr praktischer Nutzen heute gegen Null geht, sichert ihnen die Rafinesse ihrer Herstellung doch bleibende Faszination.

Zum Beispiel:

Die "Nagra III" (1958-1968)


Nagra III, Version BH, Geräte-Nr. BH 62 1683
Stefan Kudelski, 1929 in Warschau geboren und auf der Flucht vor den Nazis schließlich in der Schweiz gelandet, hatte die Nase ganz vorn, als er Ende der 50er Jahre mit der gerade aufkommenden Transistor-Technik ein kleines und äußerst robustes Tonbandgerät baute, das aus dem Stand heraus den damaligen zentnerschweren Studiomaschinen die Stirn bieten konnte: Die "Nagra III".
Bis zum Ende der Tonband-Ära blieben die "Nagras" aus dem Hause Kudelski die professionellen Rerefenzgeräte für mobile Tonaufzeichnung. Das Modell "III" war dabei nicht nur der Grundstein, sondern hielt diese Position für ein ganzes Jahrzehnt höchstpersönlich und unangefochten. Hier und da wurde seine Elektronik ein wenig modernisiert, wichtig für die Filmindustrie war die Zufügung des "Neo-Pilots" (er trug den Nagras sogar einen Film-Oskar ein), doch das mechanische Layout und das Schaltungskonzept dieses Modells "III" blieben von 1958 bis 1968 unverändert. Ein echter Geniestreich.

Meine "Nagra III" (siehe oben), die mir dank eines Defekts vor ein paar Jahren als Geschenk zufiel, wurde 1962 gebaut - und hat wirklich einen Gänsehaut-Klang!

Hier ein paar interessante "links" zur Nagra III (im Web findet sich noch sehr viel mehr...):

Schaltplan der Nagra III (Version 1967) und Bedienungsanleitung;
offizielle Firmen- und Modellgeschichte;
Uli Apel zur Geschichte und Technik der Nagra-Bandmaschinen.
Und als Ohr- und Seelenschmeichler: Nagra III als mobiles Tonstudio im Beatles-Film "Help" im Front-Einsatz
I Need You - The Night Before

Die Nagra III im politischen Einsatz... (Bild verlinkt von radiojournal.de)

Ein ganz anderes Beispiel:

Das "Grundig Typ 88" (1962)


Grundig Type 88, Geräte-Nr. 1218 27448
Gleiches Baujahr, völlig andere Liga: Statt High-End schweizerischer Ingenieurskunst ein "Billig-Radio" aus dem Hause von Max Grundig! Doch in diesem unscheinbaren Plastikgehäuse steckt trotzdem eine recht originelle Schaltung. Als FM/AM-Röhren-Vollsuper kommt das kleine Ding nämlich mit nur 3 Röhren aus! Der Clou dabei ist die ECC85. Bis zum Ende der Röhren-Ära ist diese Doppeltriode der eiserne Standard aller UKW-Tuner, hier aber dient sie zugleich auch als Oszillator und Mischer für AM und ersetzt damit die obligatorische ECH81/83. Mehr noch: Für FM übernimmt sie auch noch die Verstärkung der 1. ZF-Stufe (Reflexschaltung). So kommt dieses minimalistische Küchenradio auf 10 FM-Kreise (6 AM-Kreise) und dudelt auch heute noch erstaunlich munter und trennscharf.

Eine schöne Besprechung dieses Geräts und seiner Schaltung findet sich hier und noch ausführlicher für das Vorgängermodell 80U hier.

Eine historische Einordnung der Modellreihe dieser 3-Röhren-Radios bietet Bernd Nagel

Eine Fortsetzung mit weiteren technischen Schätzchen folgt, wenn ich mal Zeit dazu habe...